Zeitungsarchiv
Hier finden Sie einige Zeitungsartikel über das Museum.
Radiomuseum wieder auf Sendung
Blumenvasenradio und "prähistorische" Röhren - 26. Radiobörse
Radiomuseum wieder auf Sendung
VON JENS-CHRISTIAN MANGELS
Egal auf welches Knöpfchen Thomas Schult drückt, immer dudelt nach ein paar
Sekunden eine Melodie. Doch es sind nicht diese klaren, sauberen Töne, wie man sie
heute aus der Stereoanlage im eigenen Wohnzimmer oder dem Autoradio kennt. Die Lieder
versprühen das Flair vergangener Jahrzehnte begleitet von dem nostalgischen
Knacken und Rauschen. Vorhang auf für das Norddeutsche Radiomuseum.
Dicht an dicht drängen sich in den Vitrinen die zum großen Teil wunderschönen
alten Geräte, die auch derjenige zu bewundern vermag, der kein Radioliebhaber ist.
„Ein Großteil der Apparate ist noch funktionsfähig“, sagt Thomas Schult.
Der gelernte Funkelektroniker ist der „Neue“ im Team des Lamstedter Radiomuseums,
das 2001 von dem Radiosammler Wolfgang Tenschert gegründet wurde. Aufgrund einer schweren
Erkrankung von Tenschert musste das Museum im Januar 2007 schließen. Doch jetzt kehrt
wieder Leben ein ins Dachgeschoss des Bördehuus: Mit Jens Dede und Thomas Schult haben
sich zwei Ehrenamtliche gefunden, die das Norddeutsche Radiomuseum mit Wolfgang Tenscherts
Frau Erika wieder regelmäßig öffnen wollen. „Dass wir jetzt weitere Helfer
haben, war für mich und meinen Mann wie ein Sechser im Lotto“, sagt Erika Tenschert.
Rund 100 Radios sind im Museum zu bewundern. Vom Schiebespulen- Detektor von 1923, einem der ersten und einfachsten Radioempfangsgeräte, bis zum Blaupunkt- Wehrmachts- empfänger, vom programmierbaren „Super“ im kaukasischen Nussbaumgehäuse bis zum Designer-Radio aus der Serie „Braun Atelier“ mit eingebautem Schallplattenspieler ist alles vorhanden, was nur irgendwie mit Hörfunkkultur zu tun hat. Prunkstück der Sammlung ist ein Telefunken-Apparat vom Typ E 381 H, im Volksmund „Brotkiste“ genannt. Das Museumsteam ist sich sicher, dass es sich bei dem Gerät um den Funkempfänger des legendären Luftschiffs „Hindenburg“ handelt, mit dem die Passagiere jeden Tag ein paar Stunden lang ihren Heimatsender empfingen. Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück ist das „Tefifon“. Das Gerät ist eine Art Kassetten- Abspieler. In den Kassetten befanden sich Endlos-Bänder, die mit Rillen ähnlich wie bei Schallplatten versehen waren und die von einem Tonabnehmer mit Nadel in akustische Signale umgewandelt wurden.
Alles ist das längst nicht: Rund 1000 Radios hat Wolfgang Tenschert im Laufe der Jahre bei sich zu Hause angehäuft. „Viele Geräte stammen von Dachböden und aus Wohnungsauflösungen“, sagt Erika Tenschert. Und so ist im Bördehuus nur ein kleiner Teil der Radiosammlung zu sehen. Spannend ist ein Besuch auf jeden Fall: für die ältere Generation, die sich an Zeiten erinnert, als noch nicht das Fernsehen das Fenster zur Welt war, für die Jüngeren, die sich das kaum noch vorstellen können.
Nach über dreijähriger Pause öffnet das Norddeutsche Radiomuseum am Sonntag, 13. Juni, wieder seine Türen. Im Obergeschoss des Bördehuus ist ein chronologischer Rundgang durch 80 Jahre Deutsche Rundfunkgeschichte zu sehen. Zunächst ist geplant, das Museum an jedem zweiten Sonntag im Monat in der Zeit von 14 bis 17 Uhr zu öffnen. Für 1,50 Euro Eintritt kann man sich vom guten Klang der alten „Dampfradios“ überzeugen. Oder aber sich eine Gänsehaut über den Rücken jagen lassen, wenn aus dem alten Wehrmachtsempfänger „Lili Marleen“ ertönt.
Blumenvasenradio und "prähistorische" Röhren
26. Norddeutsche Radiobörse in der Lamstedter Bördehalle
ho. Neben geschichtsträchtigen Geräten wechselten historische Tondokumente, Wachswalzen, Schellackplatten und Schiebespulendetektoren ihre Besitzer. Die knapp 40 Aussteller boten Nachdrucke alter Kataloge, Schalt- und Reklamebilder an.
Sammler, die auf der Suche nach einzelnen Ersatzteilen und Bedienungselementen aller
Art waren, wurden fündig. Auch diesmal sind etliche Raritäten und kleinere
Attraktionen über den Tisch gegangen, freute sich Wolfgang Tenschert, der seine
26. Norddeutsche Radiobörse organisierte.
In der Bördehalle Lamstedt gaben sich am Sonntag vor allem die Radiofreaks ein
Stell-dich-ein. Zu den Gästen zählte auch Marcel Ritmeester, der Leiter des
ersten niederländischen Radio- Elektrizitätsmuseums. Ich fahre gern die
rund 200 Kilometer von Hoenderloo in der Nähe von Apeldoorn nach Lamstedt. Die Börse
ist übersichtlich und gemütlich; die Organisatoren freundlich und hilfsbereit.
Er wurde bereits mehrmals in der Bördehalle fündig und mit so manchem Exponat aus
Urgroßvaters Zeiten im Gepäck trat er die Rückreise an. Der holländische
Stammgast bot aber selbst einige sehenswerte Exemplare an, so einen Philipps Lautsprecher
(Baujahr 1930) und einen Röhrenempfänger Nautrodyne der Firma Lange.
Aus Salzgitter war Krystian Kryska einmal mehr angereist. Er betreibt ein eigenes Labor mit
Präzisionswerkstatt, in dem Detektoren und Mehrfachröhren detailgetreu nachgebaut
werden. Von seinen Röhren der prähistorischen Generation vor der
Betriebsfertigung schwärmte selbst Wolfgang Tenschert. Er hatte außerdem ein
Radio in einer Blumevase namens Ponti sowie den D-Zug, ein aus
mehreren Bauteilen bestehendes Radio im Angebot, das von dem Unternehmen Siemens und Halske
1923/24 gebaut wurde.
Rudolf Kernchen aus Bremerhaven, ebenfalls fast immer dabei, hatte eine Originalwerbeschild
von Mende-Radio mitgebracht, mit dem die Dresdener Firma vor dem 2. Weltkrieg um Kunden warb.
Man muss mit der Zeit gehen ist seine Devise. So ließ der Weserstädter
Minitrucks in garantiert limitierter Auflage mit der Aufschrift Telefunken die
deutsche Weltmarke erstellen.